Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen: Die Geblümte Hölle

 

 

Fotografische Impressionen aus dem ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR (MfS/Stasi) in Berlin-Hohenschönhausen. Ein Auszug aus Wikipedia dazu: „Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besteht aus den Räumlichkeiten der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR, die von 1951 bis 1989 in Weißensee bzw. Hohenschönhausen in Betrieb war.

Dort wurden vor allem politische Gefangene inhaftiert und physisch und psychisch gefoltert. Der Gebäudekomplex war auf Stadtplänen nicht verzeichnet. Seit den 1990er Jahren existiert an gleicher Stelle eine Gedenkstätte als Erinnerungsort für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Die Gebäude der ehemaligen Haftanstalt wurden 1992 unter Denkmalschutz gestellt.“

Ich habe in Hohenschönhausen sehr viele bedrückende Momente erlebt. Es ist ein schlimmer Ort. Aber wie an so vielen Orten der Zeitgeschichte, schleicht sich auch etwas anderes ein. Hier war es der Mief des Sozialismus, das Geblümte. Aus meiner Zeit bei der Stasi-Auflösung in Jena kannte ich es ja schon. Nun, das ist mittlerweile ein paar Jahre her.

Hohenschönhausen hat mich wieder dorthin geführt: Blümchen-Tapeten, geblümtes Linoleum, kitschige Bilder an den Wänden, Sprelacart an den Möbeln, Muster an den unpassensten Stellen. Die miefige DDR auf kleinem Raum. Der Schrecken der Staatssicherheit konterkariert von Kitsch und dem Geruch nach Wofasept. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Es war eine Hölle. Eine geblümte Hölle.

Wobei die ehemaligen Angestellten ja mit großer Hingabe erklären, dass dort nie etwas Unlauteres passiert sei, nie gefoltert wurde. Okay, die körperliche Folter wurde mit dem Auszug des sowjetischen Geheimdienstes wohl tatsächlich abgeschafft. Die perfide Idee der DDR-Genossen in Hohenschönhausen: Alle Vernehmungen müssen juristisch wasserdichte, sprich unterschriebene Geständnisse, erbringen. Und keiner soll sagen können, man habe sich nicht an die Menschenrechte gehalten. Nun beinhaltet die Schlussakte von Helsinki nicht die ganz subtile Art des Terrors.

Es begann damit, dass die Insassen in Hohenschönhausen oft monatelang nicht wussten, wo sie überhaupt waren. In fensterlosen Autos wurden sie dorthin gebracht, in einer umbauten Schleuse ins Haus gebracht und die „Tigerkäfig“ genannten Freigangbereiche ermöglichten nur einen Blick an den nichtssagenden Himmel.

Wenn ein Häftling etwa ins Haftkrankenhaus auf dem Gelände gebracht werden musste, wurde er wieder in ein fensterloses Auto verfrachtet und ewig in Berlin herumgefahren – um schließlich zurück gebracht zu werden. Für 200 Meter Weg brauchte man also manchmal Stunden.

In der Haftanstalt gab es keine Namen – nur Nummern. Die Menschen wurden ihrer Identität beraubt. Außer Kommandos gab es keine Kommunikation mit den Aufsehern. Kontakte zu Mitgefangenen wurden komplett verhindert. Ein spezielles System von Ampeln auf den Fluren sorgte dafür, dass immer nur ein Häftling dort war und nie einen anderen zu Gesicht bekam.

Die haarsträubenden Taktiken, die die Vernehmer verwendeten, um die Häftlinge zu manipulieren und zu verunsichern, würden den Rahmen hier sprengen.

zur Gedenkstätte

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