Lost Places: Die Heilstätten in Beelitz, ein verlassenes Krankenhaus

 

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Vorab gleich ein paar klare Worte: Meine Besuche in Beelitz sind schon eine ganze Weile her. Damals gab es dort weder Zäune noch Verbotsschilder oder ähnliches. Aber, wie das immer so ist, genug Vandalen und Vollidioten haben sich nun dort getummelt, böse Schäden hinterlassen, sind besoffen ausm Fenster gefallen oder haben Feuer gelegt. Deswegen ist wohl seit längerer Zeit das Betreten streng untersagt, das Gelände wird überwacht und ein Besuch ist nur mit Anmeldung und Führung möglich. Wer nicht hören will…

Irgendwie sind die Heilstätten in Beelitz der Inbegriff des Lost Places in Deutschland geworden. Zu meiner Besuchszeit war es noch so, dass man verschollen geglaubte Fotografenkollegen nicht im Fratzenbuch wiederfand. Sie liefen einem in dem verlassenen Krankenhaus mit debilem Grinsen und voller Ausrüstung garantiert über den Weg.

Dabei hat mich in Beelitz vor allem die Architektur der Heilstätten beeindruckt. Allerdings hatte die Natur derartig schnell gewuchert, dass an vielen Stellen außen nicht mehr viel zu fotografieren war. Und innen waren so schon die Typen von der Metall-Klau-Front am Start, dass von eventuellen Einrichtungen nicht mehr viel übrig war. Aber die Kathedralen der Eingänge, die Badehäuser und die endlosen Flure waren immer beeindruckend. Weil wir es hier eben mit wahrer Architektur zu tun hatten. Ich war einmal in Sachsen in einer richtig großen, fetten und verlassenen Klinik. Stundenlang bin ich da durch. Und ich habe nicht einmal auf den Auslöser gedrückt. Weil architektonisch eben gar kein Reiz da war. Gähnende Langeweile für das Auge des Fotografen. Das konnte mir in Beelitz nicht passieren.

Zur Geschichte dieses Lost Places kann man bei Wikipedia einiges lesen. Ich fasse mal knackig zusammen: Den Kapitalisten und Krankenversicherungen war irgendwann klar geworden, dass sie mit all dem Dreck der Industrialisierung ihr „Humankapital“ kaputtspielen werden.  Also kam die Landesversicherungsanstalt Berlin auf die Idee, in Beelitz eine Arbeiter-Lungenheilstätte aufzubauen.

Männlein und Weiblein wurden fein getrennt in dem zwischen  1898 und 1910 errichteten Krankenhaus. Dort tummelten sich immerhin 60 Gebäude auf einer Fläche von satten 200 Hektar. Ein Badegast, äh, Patient, war 1916 Soldat Adolf Hitler, später als Gröfaz die Weltgeschichte sprengender Polit-Vegetarier und paranoider Massenmörder. Einer, den seine Schergen inhaftiert hatten, kam auch noch einmal nach Beelitz: Erich Honecker, böser kleiner Mann mit kleinem Hut und kleinem Geist, hat es in den Geschichtsbüchern zum Glück nicht so weit gebracht wie der andere Badegast.

Das war ein Zeitsprung. Denn nach 1945 griff sich die sowjetische Rote Armee das Krankenhaus. Beelitz Heilstätten wurde das größte Militärhospital der Russen außerhalb der Sowjetunion, Sperrgebiet für die Deutschen. Und genau deswegen ist unser Erich mit seiner furchtbaren Margot dort auch abgetaucht – bevor er sich auf nach Moskau machte, um vor seinem Volk zu fliehen.

Nun liegt seit dem Abzug der Roten Armee das Gelände brach. Teile wurden rekonstruiert, für andere gibt es Pläne, ein Baumkronenpfad wurde errichtet. Der größte Teil der Heilstätten ist aber weiter ein Lost Place. Na, dass sich die Kollegen vom bewegten Bild dort wohlfühlen, war klar. Gedreht wurden Teile von Polanskis „Der Pianist“ oder „Operation Walküre mit Tom Cruise in Beelitz.

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