Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

Reimund Schwarz, Fotografie, Wetzlar

Antigram

Teilrückzug. Ich mache nicht mehr mit.

Allein bei Instagram gehen täglich rund 95 Millionen Fotos auf die Server. Immer mehr davon zeigen mit allen Tricks geschönte Menschen in "vorteilhaften" Posen, Retusche und Filter bis zur Unkenntlichkeit. Eine Fake-Welt aus billigem Plastik.

Und wie fühlt man sich so in dieser affigen Welt der Selbstvermarktung respektive elektronischen Prostitution? Das wunderschöne Model Barbie Ferreira sagte dem ZEIT-Magazin: "Das Internet weiß, was Dich verunsichert, findet deine Wunden und stochert so lange in ihnen herum, bist du zerbrichst und endlich einen Verband anlegst."

Das Web ist wahrlich kein schöner Ort mehr für sensible Menschen und Bilder.

Aber auch abseits des ganzen Instant-Zeugs können sich fotografische Arbeiten im Web oft nur missachtet fühlen in der Virtualität und vor allem in der alles erdrückenden Masse. Mit viel Perfektion, Bling Bling und Marketing in den kein bisschen sozialen Kanälen, die mir mittlerweile zum Hals raushängen, lässt sich sicherlich gegensteuern.

Aber genau dieses laute Erarbeiten von Aufmerksamkeit beherrsche ich nun überhaupt nicht. Ist so und wird sich nicht ändern.

Täglich stellt man sich so viele Fragen. Meist sehr detaillierte Fragen. Hebe ich den Blick und frage mal ganz abstrakt und grundsätzlich: Hat es wirklich Sinn, wenn ich viel Mühe und Zeit für Pflege und Aktualisierung von Bildern im Web aufwende? Nein. Für mich ist das zweckfrei.

Deswegen will ich nicht mehr so viele Bilder von mir im Web sehen. Die gehören in diese mit sinnesraubender Hochgeschwindigkeit laufende künstliche Verschönerungsmaschine irgendwie nicht rein. Vom Gefühl her.

Ein paar meiner Fotos dürfen natürlich weiter im digitalen Ozean hilflos rudern. Denn ich will ja nun nicht eingeschnappt das Web verdammen. Das auf keinen Fall. Aber als wirklich gutes Medium für Fotografie sehe ich das Internet nicht mehr an.

Nun habe ich in Facebook alle Bilder gelöscht, den Instagram-Account gekündigt und auch hier auf meiner Seite radikal ausgedünnt.

Statt dessen: back to the roots. Drucken, Ausbelichten, Papier, Leinwand. Und wenn nur ein Mensch sich ein Bild auf Papier in Ruhe anschaut, ist mir das lieber als die 500 Menschen, die die Arbeiten im Web im Strom der unzählbaren Absonderungen an sich vorbei rasen lassen.

Papier statt BildschirmBogendruckerei