Ein ehemaliges Atomwaffen-Depot der NATO in Hessen

 

>>> zur Seite „Verfall“ mit allen Bildern von Lost Places, zusammengefasst in einer Galerie <<<

Ich muss ein paar Schritte zurück gehen in der Geschichte: In der DDR, in der ich aufgewachsen bin, sind wir als Kinder und Jugendliche eigentlich täglich mit der Gefahr von Atomwaffen konfrontiert worden. Pershing II und Cruise Missile waren die beliebtesten Schlagwörter, um uns unablässig darauf vorzubereiten, dass wir bald einen grauenvollen Tod durch nukleare Waffen sterben werden.

Dass direkt in unserer Nähe die Rote Armee mit ihren mobilen Startrampen und SS 20 die Positionen in den Wäldern dauernd wechselte, wurde natürlich nicht erwähnt. Es waren nur die anderen, die das atomare Waffenarsenal drohend aufbauten.

Eine schreckliche Zeit – nicht nur wegen der realen Gefahr durch Atomwaffen. Gerade die ständige Propaganda hat sicherlich so manche Persönlichkeit in eine Art Paranoia getrieben.

Umso spannender ist es dann, nach dem Ende dieser Phase der atomaren Abschreckung, die Orte des Geschehens einmal zu besuchen. Denkt man so. Was blieb bei einer solchen Tour zu Lost Places? Rund um das Hermsdorfer Kreuz in Thüringen etwa entdeckten wir 1991 die Hinterlassenschaften der sowjetischen Truppen: Aufstellplätze für die mobilen Rampen aus Betonplatten mit Anschlüssen für die Kommunikation.

Das war’s. Keine Depots, riesigen Bunker oder Silos, aus denen die Raketen abgefeuert werden sollten. Lediglich an einem Standort in der Nähe lagen im anderen Müll einige Transportbehälter für die Sprengköpfe. Nicht sonderlich beeindruckend. Frühes Urbex ohne tiefgreifende Eindrücke.

Und wie sieht das auf dem Gebiet der Nato aus? In der Nähe von Gießen besteht die Chance, ein solches Depot der US-Army bzw. der NATO zu besichtigen. Der Lost Place nannte sich Sondermunitionslager für Nuklearwaffen. Die Amerikaner bezeichneten das Depot als Special Ammunition Site (SAS).

Doch auch hier treffen wir nicht auf Dinge, die beeindrucken, die den Schrecken der Atomwaffen in Bilder übersetzen. Eigentlich ist das ganze Depot ein eher langweiliger Lost Place. Zum reinen Urbexen mag es ganz interessant sein. Fotografisch ist es eher nichtssagend.

Denn dort lagerten keine Raketen. Das US Army Field Artillery Detachment (USAFAD) hatte dort vorrangig nukleare Artilleriegranaten deponiert. Auf dem Gelände, welches viel professioneller abgesichert war als die sowjetischen Liegenschaften, gibt es zwei halbtonnenförmige oberirdische Bunker für die Munition. In diesen Bunkern lagerten die Granaten. Neben den Bunkern gibt es einen großen Wachturm, einen kleineren und einige nichtssagende und architektonisch langweilige Beton-Gebäude.

Wie gesagt: Für Geschichts-Interessierte ist der Lost Place sicherlich ein nettes Ziel für eine Urban Exploration. Aber zum fotografischen Urbex fehlt einfach jeder architektonische Reiz bzw. beeindruckende Bauwerke. Es ist wie immer: Die Orte der Geschichte entpuppen sich trotz Bunkern o.ä. dann doch als ziemlich profane Angelegenheiten.

This entry was posted in Blog.
Scroll Up